… und damit meine ich nicht Microsofts Support für den 2001 veröffentlichten Browser, sondern das Ende des Supports seitens der Web-Entwickler. Der IE7 ist nun seit 2 Jahren da, die Public Beta des IE8 gibt es auch schon.
Ich finde es ist an der Zeit auch dem letzten IE6-Nutzer – oder dessen Administrator
– zu sagen, dass es Zeit zum Updaten ist. Denn die Abwärtskompatibilität einer Webseite für den IE6 zu erhalten, kostet nicht nur Nerven sondern auch viel Zeit und damit eine Menge Geld. Und oft bedeutet es auf Features zu verzichten.
Immer wieder gern als “Totschlag-Argument” wird die angeblich noch hohe Verbreitung des IE6 genannnt. Ca. 35% sollen es noch sein. Wieviele davon wohl Frontend-Entwickler auf Bugsuche oder gar Bots sind? Und selbst wenn, für jede Software wird irgendwann der Support eingestellt. Fur gute Software später, für schlechte eher. Für den IE6 läuft der schon viel zu lang.
Daher sage ich: “It’s time to ditch the IE6!“

Prinzipiell ganz deiner Meinung, allerdings in der Praxis derzeit unmöglich. Ich nehme für sowas immer gern eine unserer Webapplikation her, die von Business-Anwendern aus ganz Deutschland genutzt wird. Das ernüchternde Ergebnis laut Google Analytics: gut 25% der Leute nutzen das Ding mit dem IE6. Denen kannst du nicht den Hahn abdrehen. Ist das gleiche wie damals mit Netscape 4 – das Sterben dauert ne Weile …
Aber davon abgesehen ist der 6er doch gar nicht so zickig. Ich hatte damals mit NC4 jedenfalls mehr Ärger.
Das ist unter anderem ein Punkt der mich auch interessiert. Wie verlässlich sind diese 25% (oder generell alle Angaben). Wie oft handelt es sich dabei um andere “getarnte” Browser? Wie oft sind Bots dabei? Eine weitere Frage wäre, welchen Anteil haben die IE6-Nutzer am Umsatz? Ist deren “Beachtung” überhaupt noch wirtschaftlich?
Worauf ich damit hinaus will ist folgendes. Wenn wir den Anwendern nicht deutlich machen mit was sie da surfen und sie nicht spüren das ihre Software “veraltet” ist, werden sie auch nichts ändern. Etwas ähnliches macht Microsoft in Windows Vista ja auch mit dem User. In dem es den User permanent nach Admin-Rechten fragt, soll Druck auf die Softwarehersteller ausgeübt werden. Deren Software soll nur noch wenns unbedingt notwendig ist, Administratorrechte verlangen.
Na ich glaube, das was Microsoft da macht, bewertest du ein bisschen über. UAC ist der bestmöglichste Kompromiss hinsichtlich der Arbeit mit eingeschränkten Rechten und Abwärtskompatibilität. Im Hintergrund laufen noch viel mehr Dinge, die es erleichtern uralte und “schlecht” geschriebene Anwendungen weiterlaufen zu lassen (Schreibzugriffe auf Systemordner werden z.B. unbemerkt von Anwendung und Benutzer umgebogen).
Letztendlich ist Microsoft nämlich genau in der gleichen Situation wie wir als Entwickler: es ist nicht möglich den Zopf eiskalt abzuschneiden und den User damit zu stark einzuschränken.
Mit der beabsichtigten Bevormundung wirst du nur eines erreichen: du verlierst Nutzer und im schlimmsten Fall Kunden, sehr wahrscheinlich aber Geld.
Meinen Kunden, für den ich die angesprochene Anwendung entwickelt habe und für den ich sie betreibe interessiert es nicht die Bohne was es auf der Welt für Browser gibt – der schaltet nur seinen Rechner ein, startet den Browser (frag die Leute mal was ein Browser ist – jeder nutzt ihn, kaum einer kennt die Bezeichnung) und nutzt die Anwendung. Die muss funktionieren. Bei ihm, und bei seinen Anwendern. That’s it.
(Es geht sogar in dem Fall soweit, dass dieser Kunde intern bei seinen Mitarbeitern den alten Browser nutzen lässt, um im Supportfall gleich den Browser des Endanwenders vor sich zu haben).
Dabei sehe ich das Problem auch nicht so richtig. Klar, IE6 ist grundsätzlich nervtötend und gehört in die Mottenkiste. Aber wenn man es richtig macht, entwickelt man ja seine Stylesheets nicht bei jedem Projekt auf der grünen Wiese, sondern man legt sich im Lauf der Zeit seine Snippets oder ein Grundgerüst an, genau wie bei richtigem Code auch. Wir nennen das bei uns einfach “Framework” – das Ding hat sich jetzt über 1,5 Jahre entwickelt, und inzwischen gibt es kaum mehr Anpassungsmehraufwand für den 6er.
Und in Sachen JavaScript war das alte Ding seiner Zeit aus heutiger Sicht glücklicherweise Jahre voraus, so dass es kaum Sachen gibt, die mit dem 6er nicht auch irgendwie zu machen sind. Die Ajax-Frameworks beweisen es.
Aber davon abgesehen wird sich das Problem auch ganz von alleine erledigen, genau wie seinerzeit mit Netscape 4 auch, da bin ich mir sicher. Die Entwicklung ist kaum aufzuhalten, und mit jedem neuen Windows, was seinen Weg zum Nutzer findet, gibt’s auch eine neue Browser-Version (witzigerweise heißt er ja heute nach all den Gerichtsprozessen trotzdem “Windows Internet Explorer”).
Langer Text, kurzer Sinn: IE6 ignorieren und Benutzer zwangserziehen: auf dem eigenen privaten Blog möglich, in einem Real-World-Szenario auf gar keinen Fall. Egal ob Web-App oder öffentliche Website.
Gruß
In einigen Punkten hast du nat. recht. Nur was bei dir meiner Ansicht nach zu wenig Beachtung findet, ist der Punkt der Zielgruppenbetrachtung. Es gibt genügend Zielgruppen in denen der IE6 zu vernachlässigen ist. Es widerstrebt mir einfach, hinzunehmen das der IE6 uns weiter belästigt. Lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende. Nur den ersten Schritt zu machen traut sich wieder keiner.
Ich denke jeder von uns kann zahllose IE-Bugs vorhersagen und deren Hacks im Schlaf coden. Aber allein schon das wir unsere Zeit mit sowas verschwenden müssen ist doch schon schlimm.
Frameworks, in welcher Form auch immer, werden heutzutage sicherlich bei den meisten großen Projekten eingesetzt. Sei es YAML für CSS, ZEND für PHP, Mootools für JS oder whatever. Das ist ein ganz anderes Thema. Und das der DAU Brauser nicht buchstabieren kann ist auch klar.
Wie gesagt, die Bereitschaft zur Anpassung sinkt. Sprich der Sppport wird weniger in dem Maß wie seine Verbreitung abnimmt. Aber nicht zuletzt mit der Modernisierung der Heim- und Firmen-PCs wird sich das Problem irgendwann erledigt haben. Nur dann schwirrt der IE7 da draußen rum. Naja, zumindest wird das Übel kleiner.
Baue ich Web-Apps für den Mainstream muss ich den IE6 wohl oder übel berücksichtigen, da stimme ich dir zu. Seiten wie Heise oder Golem können auf dessen Support wohl weitgehend verzichten.
“Nur was bei dir meiner Ansicht nach zu wenig Beachtung findet, ist der Punkt der Zielgruppenbetrachtung. Es gibt genügend Zielgruppen in denen der IE6 zu vernachlässigen ist”
Welche denn?
“Seiten wie Heise oder Golem können auf dessen Support wohl weitgehend verzichten.”
http://www.heise.de/newsticker/Marktanteil-von-Firefox-kratzt-an-der-20-Prozent-Marke–/meldung/109877
IE6 im Juni 2008: 11,1%
Da würde ich einen Teufel tun und die vernachlässigen. Womit man sich im Übrigen auch jede Argumentation pro Optimierung für Opera und Safari nehmen würde.
“Da würde ich einen Teufel tun und die vernachlässigen. Womit man sich im Übrigen auch jede Argumentation pro Optimierung für Opera und Safari nehmen würde.”
Für diese Browser wird bei uns auch nicht optimiert. Da deren Anteil die Kosten nicht annähernd rechtfertigt (vor allem im Bezug der durch Nutzer dieser Browser generierten Umsätze). Der IE6 steht an der Schwelle dazu. Und ganz klar, der IE6 ist auf dem Rückzug. Wer setzt also noch auf ein sterbendes Pferd?
“Für diese Browser wird bei uns auch nicht optimiert. Da deren Anteil die Kosten nicht annähernd rechtfertigt”
Dann stimmt bei euch irgendwas nicht. Es ist heute überhaupt kein Problem ohne jede Extrawurst annähernd gleiche Ergebnisse für Firefox, Safari und Opera zu erzielen, IE7 ist auch nicht weit davon weg. Der Mehraufwand ist am Ende Minimal, im Ergebnis erreicht man bei in der Summe sicher 20-40% (IE6, Safari, Opera) bessere Ergebnisse und damit Zufriedenheit.
Die Antwort auf die Frage nach den Zielgruppen bist du schuldig geblieben.
Passend dazu übrigens, die Beta 2 des IE8 ist draußen: http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyId=6EF71415-646F-4279-8B6B-193435AB2D80&displaylang=de
Wir scahuen uns die Seiten im Opera wohl an. Aber prüfen nur auf eventuelle grobe Fehler die Nutzbarkeit stark behindern würden, mehr nicht. Eine eingehende Überpürfung findet nicht statt (muss auch oft gar nicht, da diese Browser den Standards wesentlich näher sind als der allseits beliebte IE6).
Die Zielgruppen hatte ich weiter oben bereits erwähnt.
Was für Zielgruppen meinst du? Die von heise oder Golem? Wenn du meinst das heise auf 11% seiner Nutzer verzichten würde, dann würde ich das mal stark anzweifeln.
Letztendlich kann sich niemand, der ein wie auch immer geartetes Interesse daran hat, so viel Verbreitung wie möglich zu erreichen, so eine radikale Haltung erlauben.
Ich habe vorhin übrigens eine E-Mail von Microsoft bekommen, mit dem Titel “Sofortige Websiteupdates erforderlich für Kompatibilität von Internet Explorer 8 Beta 2″. Auszug:
“Da [...], möchte Microsoft Sie auf einen Anzeigefehler in Zusammenhang mit Internet Explorer 8 aufmerksam machen. Wenn Sie in der ersten Version im Internet Explorer 8-Standards-Modus surfen, werden Sie möglicherweise feststellen, dass Inhalte, die für frühere Versionen von Internet Explorer erstellt wurden, anders als beabsichtigt angezeigt werden. [...] Aktualisieren Sie Ihre eigene Website und die Websites Ihrer Kunden mithilfe des Internet Explorer 7-Kompatibilitätstags. [...] Weisen Sie auch Ihre Kunden auf den beschriebenen Fehler und die Möglichkeit zur Behebung der fehlerhaften Anzeige durch das Internet Explorer 7-Kompatibilitätstag hin.”.
Und du maulst über einen etablierten Browser, dessen Macken bereits hinlänglich bekannt sind …
ich meinte damit das man sich nicht einfach hinstellen und sagen kann: “mach die Seite/ Webapp für diesen oder jenen Browser kompatibel” ohne dessen Verbreitung in der relevanten Zielgruppe zu kennen. Eine Torrent-Seite würde sicher niemand eingehend auf IE-Kompatibilität testen.
Wenn 11% der User <1% des Umsatzes ausmachen kann ich getrost auf diese Zielgruppe verzichten (Vorsicht, Zahlen fiktiv, verdeutlichen aber den Sachverhalt). Geht es um Reichweite auf Teufel komm raus, wirst du nicht anders können als für jeden Browser kompatibel zu sein. Die Frage ist halt lohnt sich das?
Das Kompatibilitätstag ist ein ganz anderes Thema, dann müssten wir hier auch noch die Webstandards mit reinziehen, aber ich denke das sprengt den Rahmen.
“Die Frage ist halt lohnt sich das?”
Abschließend nochmal: Mehraufwand und damit Kosten sind durchaus zu vernachlässigen, womit sich diese Frage im Normalfall überhaupt nicht stellen sollte.
Google mal nach “IE6 CSS-Problem”… Ich glaub das führt hier zu nix mehr.